Mein digitaler Nachlass lebt weiter. Wie sorge ich vor?

Was bleibt im Netz, wenn ein Mensch stirbt? Möglicherweise jede Menge Online-Daten und -Verträge, kostenlose oder bezahlpflichtige Dienste und Abos – ohne Ablaufdatum! Was im Internet, in Clouds oder auf irgendwelchen Datenservern bleibt, bezeichnet man als „Digitaler Nachlass“.

Für die Hinterbliebenen wird es eine große Herausforderung und Belastung sein, alle relevanten Accounts (mit Benutzername und Zugangsdaten) des Verstorbenen ausfindig zu machen. Manche bezahlpflichtigen Abos verlängern sich automatisch, von denen die Angehörigen nichts wissen, hier dann aber womöglich die Verpflichtungen aus den Verträgen übernehmen müssen.

Bild Blumenwiese zum Beitrag Digitaler Nachlass von Sandra Wilms

Hier einige Beispiele:

  • Social Media Dienste wie Facebook, Instagram, Snapchat, Twitter, YouTube, Vimeo, Google+, Xing, LinkedIn uvm. (es sind auch Admins von Unternehmensseiten/Gruppen zu beachten)
  • Kommunikationsdienste wie WhatsApp, Threema
  • Blog und Website Dienste wie WordPress, Typo3, Jimdo
  • Domain Dienste
  • Mail-Accounts
  • Gerätesperrung bei Smartphones
  • Webhosting Dienste
  • Online-Konten bei Amazon, Ebay, Spotify etc.
  • Chat und Video Dienste wie Skype, Houseparty
  • Singlebörsen wie Tinder, Once, Parship etc.
  • Streeming- und Cloud Dienste
  • Freundschaften in Online-Games
  • Fotosammlungen
  • Bezahlpflichtige Online-Abos
  • Online-Banking, PayPal oder Bitcoin Wallet
  • usw.

An all diesen Diensten hängen nicht nur Inhalte, Tweets und Posts, sondern auch persönliche und wirtschaftliche Werte. Wenn Hinterbliebene davon keinen blassen Schimmer haben, wird es schwierig. Besonders schwierig gestaltet sich das auch für digital weniger affine Erben.

Erben nehmen auch digitales Erbe an und sind im schlimmsten Fall vielleicht sogar haftbar für Inhalte.

Was wünschen sich Verstorbene für Ihre Daten und Inhalte? Was wünschen WIR uns? Damit das für Hinterbliebene klar ist, sollte man sich schon zu Lebzeiten um bestimmte Dinge kümmern und mit den Liebsten eigene Wünsche besprechen.

Informationen/Kopien können

  • bei Vertrauenspersonen
  • in Bankschließfächern
  • beim Notar

hinterlegt werden. Vielleicht ist es sinnvoll, unterschiedliche Berechtigungen festzulegen (wer darf welche Handlungen weiter ausführen). Das sollte jeder für sich zu Lebzeiten abwägen, mit Familie/Freunden besprechen.

Sprecht auch vor Operationen über Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung (muss unterschrieben und mit Datum versehen sein, von Mal zu Mal aktualisiert werden), eventuelle Schließfächer bei Banken, in denen wichtige Papiere liegen, Ordner, die mit den wichtigsten Unterlagen bestückt wurden und an einem geheimen Ort stehen.

Vorsorgen macht es einfacher!

Was soll mit Eurem digitalen Nachlass passieren, damit es im Netz nicht vor sich hin dümpelt, kein Missbrauch stattfinden kann?

Dokumentiert diesbezüglich Euren letzten Willen und Wünsche:

  • testamentarisch
  • schriftlich, sicher verwahrt (Accounts)
  • über Vertrauenspersonen
  • in Ordnern mit allen Information
  • usw.

Lasst Eure Nachwelt wissen ob

  • Accounts gelöscht oder auf inaktiv gesetzt werden sollen
  • Kontakte über den Tod des Kontoinhabers informiert werden sollen oder nicht
  • uvm.

Tipp: Bestimmt am besten schon jetzt einen Nachlasskontakt bei Facebook, der sich um das Facebook-Konto kümmert, wenn es in den Gedenkzustand gesetzt wurde. Diese Vertrauensperson kann dann auf Fotos, Videos oder Kontaktlisten der Verstorbenen zugreifen, Dinge löschen oder archivieren. HIER erfahrt Ihr mehr dazu.

Auch andere Dienste wie Google haben Möglichkeiten dafür geschaffen wie mit dem Kontoinaktivitäts-Manager.

Tools: In einer zentralen Passwortsicherung können alle Passwörter und Benutzernamen an nur einem Ort gesichert werden. Die Anwendung KeePass verschlüsselt bspw. die gesamte Datenbank, die durch einen Hauptschlüssel („Master Key“) gesichert wird. Macht Euch schlau über vertrauensvolle und sichere Anbieter.

Verschlüsselsungstools, Cloud Speicher und -Software können hier ebenfalls helfen.

Der digitale Nachlass kann auch bei digitalen Vorsorge Anbietern hinterlegt werden. Auch das kann eine Möglichkeite sein. Informiert Euch hier im Vorfeld gut.

Einige Beispiele:

  • Digital Heritage
  • Somnity
  • exmedio
  • LifeCompanion
  • Vorsorgeplattform 24

Zu all diesen Dingen lässt sich sicherlich noch viel schreiben und ergänzen. Letztendlich muss jeder selbst (s)einen Weg finden, wie er es regelt. Wichtig ist, es zu tun und miteinander über Wünsche und Vorstellungen zu kommunizieren.

Auch wenn es schwerfällt, darüber zu sprechen. Es erleichtert vieles.

Nutzen wir die Chance – bevor wir sie verpassen!